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Severin Müller

„Die fünf Finger einer Hand sind Brüder, und trotzdem sind sie sich nicht ähnlich.“ (Arabisches Sprichwort)
Eine Gruppe von Menschen hat sich vor eine Limousine gestellt. Eine Grossfamilie. Dunkle Haare, dunkle Gesichter. Vergnügte Gesichter. Die Aufnahme wurde in Europa gemacht, irgendwann Anfang der Siebziger Jahre, das verrät die Kleidung und der schwedische Schriftzug im Hintergrund. Die Momentaufnahme ist zufällig. Der Zufall ist, wie immer bei gestellten Aufnahmen inszeniert. Niemand weiss, was nachher ist. Eine paar Minuten später werden die lachenden Mädchen und die jungen Männer in den steifen Kitteln auseinander gehen, um ihrem eigenen Weg zu folgen. Einen Weg, der sie trennt und vielleicht auch wieder zusammen führen wird.
 

„Bei meiner Arbeit interessiert mich nicht so sehr der Weg“, sagt Severin Müller, „sondern vielmehr das Resultat.“Das Resultat steht inmitten des Raumes: Eine Holzskulptur. Eine exakte, dreidimensionale Umsetzung des „Familienfotos mit Auto“, aus dem Blickwinkel des Fotografen.Müller hat den Weg derart präzis vollzogen, dass das Resultat verblüfft. Keine Gesichter, keine Kittel, keine Krawatten, keine lachenden Mädchen. Nur noch die Reduktion auf das Wesentliche. Dreidimensionale Schablonen. „Jede Figur nimmt exakt den Platz ein, den sie zum Sitzen oder Stehen braucht“, erklärt Müller. Damit der schräge Blickwinkel dem der Vorlage gleichkommt, hat er einen Keil unter der Limousine angebracht. Dank der Dreidimensionalität offenbart sich nun auch eine neue Sichtweise der Fotografie: Der Blick von hinten.Die Skulptur ist aus dünnem Sperrholz zusammengesetzt. Fein, glatt, geschliffen und dunkel gebeizt. Nichts deutet auf rohe Motorsägenarbeit hin, wie dies bei früheren Arbeiten von Severin Müller der Fall war. „Ich wollte etwas Edles schaffen“, erklärt Müller.Man möchte mit der Hand über das glatte Holz streichen..Die einzelnen Teile, es sind zehn, lassen sich entfernen und wieder zusammenfügen. Sie gehören zusammen.„Ich mache keine Metaphern“, sagt Müller. „Es ist, was es ist. Ich nenne es ein Unding - vielleicht ist es ein Möbelstück.“Parallel zur Skulptur hat Müller einen Film gemacht. Die Gruppe vor dem Auto dreht sich langsam um sich selbst. Im Hintergrund ist arabischklingendes Stimmengewirr zu hören. Vielleicht das Geschwätz, das sich ergeben hat, bevor sich die Gruppe zum Familienfoto drapiert hat. Für die Momentaufnahme, die nun festgehalten und aus Holz im Raume steht.