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NICOLA GENOVESE

SNACKS

15.12.2023 -
19.01.2024

Eröffnung: 15.12.23 | 18 - 21 Uhr
                 
19 Uhr Performance von                                 Nicola Genovese

Finissage: 19.01.24 | 18 - 21 Uhr

Kuratiert von Matteo Kramer
                                     





Öffnungszeiten: Fr. 17 - 19 Uhr, Sa. 15 -19 Uhr
oder nach Vereinbarung
 
Geschlossen: 22./23.12.23


 

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Während wir die vielschichtigen Ebenen der Ausstellung erkunden, begegnen uns Themen wie der Karneval in Venedig, Arbeitslosigkeit und die symbolische Bedeutung von Armani Jeans.

Es stellt sich die Frage, warum wir uns dem Thema widmen, wenn gerade dem männlichen Körper ohnehin problematische Mengen an Macht und Aufmerksamkeit zugeschrieben werden. Überraschenderweise wird in den Arbeiterklassen die Wahrnehmung von Gesundheit und Männlichkeit als persönliches, kulturelles und soziales Phänomen kaum beachtet. Ein Grund dafür könnte sein, dass Darstellungen männlich gelesener Personen versuchen, gerade die Fragilität des Körpers zu leugnen und sich vielmehr auf die Autorität der männlichen Rolle konzentrieren.

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Demzufolge werden in gewissen Zusammenhängen noch heute der körperliche Verbrauch und Zerfall durch Arbeit als männlicher Wert gepriesen. Der zunehmende Einsatz von Technologien erschwert jedoch die Ausführung traditionell männlicher Arbeiten und die daraus resultierende Identitätsbildung.

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Dieses prekäre Konstrukt führt zu Nicola Genoveses (*1971 Venedig, IT) Idee des grotesken Körpers. Eine erschütterte Identität formt sich zur protestmaskulinen Gestalt, die bewusst von konventionellen ästhetischen Standards abweicht. Mit grober, rauer Härte und Bierbäuchen - eine Ablehnung eines kontrollierten und kultivierten Körperbilds - beziehen sich diese Gestalten auf

karikaturistische Klischees von Männlichkeit.

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Obwohl das auf den ersten Blick einen wertenden Eindruck erweckenvermag, offenbart eine genauere Betrachtung, dass Genoveses Werke vielmehr in einer Verletzlichkeit und Widersprüchlichkeit wurzeln. Messerscharfe, stählernen Zähne am Ende der armförmigen Arbeit Gastroscopia (2023) schneiden sich in das weiche Falschleder. Mit einer Form, die an geschwollene Hämorrhoiden erinnert, spricht der Konflikt zwischen den Materialien von einem eingesperrten Schmerz. Ein Moment, der auch in der Arbeit 24/7 Decay: Hommage a Jacques Callot (2023) weitergeführt wird. Hier widersetzt sich das Falschleder seinem dekorierten, aber vor allem stählernen Kasten. In diesem Kampf lassen sich zwei Körpergestalten erkennen. Die Lanze der linken Figur ist bereit sich aus der Bildfläche heraus zu arbeiten und weckt die Vorstellung in den Hintern der Figur auf der rechten Seite des Diptychons eindringen zu wollen. Interpretiert man den Stab als einen erigierten Penis, bezeugt die Geste etwas Gewaltvolles, Aggressives und zugleich den letzten Rest an Kontrollierbarkeit, der im männlichen Körper nicht erlangt werden kann.

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Genoveses Arbeiten eröffnen einen intimen Blick in diese Verzweiflung. In einer Ära, deren Verhältnis zwischen Körper und Produkt so weit verschoben ist, dass Körper im Kapitalismus nach einer bestimmten Form produziert werden, wird es grosse Anstrengung benötigen, um diese Fesseln zu durchbrechen. Die Rolle

digitaler Medien, insbesondere sozialer Netzwerke, als Werkzeug zur Förderung und Formung einer neoliberalen Körperkultur ist entscheidend. Sie leiten einen Wandel in Körperdarstellungen männlich gelesener Personen ein, wobei das äußere Erscheinungsbild zu einem zentralen Aspekt wird, um Wert und soziales

Kapital zu schaffen.

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Mit Blick auf die Heimatstadt des Künstlers begegnen wir einer langen Tradition Identitäten zu verändern oder neu zu erfinden. Mit Masken und Kostümen bildet der venezianische Karneval eine Heterotopie, ein Ort des Regelbruchs, in dem Fluidität in Geschlechtsidentität und den performativen Aspekten von Geschlechterrollen ins Absurde geführt werden.

Was erzählen die Arbeiten von Nicola Genovese über das Verhältnis von körperlicher Materialität und Geschlecht heute, wenn Körper semantisch mit geschlechtlichen Bedeutungen aufgeladen sind, diese aber von der Gesellschaft immer weiter dekonstruiert werden? Welche Einschreibungen weisen Körper auf

und wie können sie umgeschrieben werden?

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